Angesichts des Reformvorhaben Saudi Vision 2030 zeichnet sich die größte Volkswirtschaft am arabischen Golf derzeit durch einen regen Projektmarkt aus. Der bietet auch deutschen Unternehmen große geschäftliche Möglichkeiten. Bei einer Delegationsreise der Ghorfa bekamen die Teilnehmer Informationen zu geplanten Projekten und Vorhaben aus erster Hand.

„Dies ist die richtige Zeit für eine Wirtschaftsdelegation nach Saudi-Arabien. Das enorme Interesse, sowohl von saudischer als auch von deutscher Seite hat uns gezeigt, dass das Potenzial für wirtschaftliche Zusammenarbeit enorm ist.“ Dieses Fazit zog Dr. Peter Ramsauer, Präsident der Ghorfa, nach der Delegationsreise in das Königreich.

Die Ghorfa hatte die viertägige Reise nach Riad und Dammam mit Unterstützung des Council of Saudi Chambers sowie der deutschen Botschaft in Riad organisiert. Zahlreiche Termine nicht nur mit hochrangigen Regierungsvertretern, sondern auch fruchtbare Diskussionen mit Repräsentanten der wichtigsten wirtschaftlichen Institutionen wie Aramco, der Saudi Basic Industries Corporation (SABIC) oder der Saudi Electricity Company (SEC) sowie B2B-Meetings mit zahlreichen saudischen Unternehmern und Unternehmerinnen in Riad und Dammam standen auf dem Programm.

In Riad wurden die Delegationsteilnehmer zu Beginn der Reise am Morgen des 21. Januar durch den deutschen Botschafter, Jörg Ranau, begrüßt. In einem kurzen Briefing gab er Informationen über den aktuellen Stand der deutsch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen und die Umsetzung der Saudi Vision 2030. Dieses Reformprogramm sei derzeit in vollem Gange und werde mit Nachdruck vorangetrieben, um die Abhängigkeit Saudi-Arabiens von Öl und Gas zu reduzieren, erklärte der Botschafter.

„Es ist ein besonders Anliegen im Rahmen der Saudi Vision auch die saudischen Exporte nach Deutschland zu erhöhen“, erklärte Peter Ramsauer bei dem Auftakttreffen. Der Handelsaustausch falle stark zu Gunsten Deutschlands aus. Mit dem Ausbau deutsch-saudischer wirtschaftlicher Kooperationen könnte dies künftig verbessert werden. Insgesamt gebe es derzeit großes Potenzial im Handel zwischen den beiden Ländern, nachdem der Warenaustausch in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sei. „Hier wollen wir wieder den Faden aufnehmen und die Zusammenarbeit stärken“, erklärte Dr. Ramsauer.
Auch der Generalsekretär der Ghorfa, Abdulaziz Al-Mikhlafi betonte, dass deutsche Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Vision 2030 leisten können. „Deutsche Unternehmen bringen nicht nur Technik und Equipment, sondern auch Know-how und Bildung“, erklärte Al-Mikhlafi.

Wie deutsche Unternehmen zur Diversifizierung der saudischen Wirtschaft beitragen können, zeigte sich bei den zahlreichen Treffen in dem Land. Dass die Industrialisierung und Diversifizierung in dem Königreich sehr ernst genommen werden, wurde insbesondere bei einem Besuch des Innovationeszentrum von SABIC deutlich. Die Strategie des Unternehmens sei es, durch saudische Innovationen ein nachhaltiges und profitables Umfeld für produzierendes Gewerbe innerhalb des Königreichs zu schaffen, erklärte Fuad Mosa, Vice President der Abteilung Local Content & Business Development, im Gespräch mit der Delegation.

Ein Musterhaus, in welchem die neusten mit saudischer Hilfe entwickelten Innovationen verbaut sind, verdeutlichte die Strategie des Unternehmens. So soll die saudische Wirtschaft in die Lage versetzt werden, alle wichtigen Komponenten und Technologien, die zum Bau dieses für Saudi-Arabien entwickelte Haus notwendig sind, in dem Königreich selbst hergestellt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen müsse jedoch auch in anderen Sektoren die Entwicklung vorangetrieben werden. Eine wichtige Rolle kommt dementsprechend dem Transport- sowie dem Energiesektor zu. In diesen Bereichen ist ebenfalls deutsches Know-how gefragt, wie in den Gesprächen mit dem Transportminister Nabil bin Mohammed Al-Amoudi sowie mit hochrangigen Vertretern der Saudi Electricity Company (SEC) deutlich wurde.

So versicherte Nabil Al-Amoudi, dass die effiziente Verknüpfung der einzelnen Wirtschaftszentren in dem Königreich ein zentrales Ziel der saudischen Regierung sei. Verschiedene Schienenprojekte, wie die Saudi-Landbridge, sowie der Ausbau und insbesondere die Sanierung der Straßeninfrastruktur stünden demnach derzeit auf der Agenda.

Ebenso sei es wichtig, gleichzeitig mit dem Ausbau der Energiekapazitäten auch die Entwicklung des Stromnetzes weiter voranzutreiben. Hierzu bekamen die Delegationsteilnehmer einen Überblick über die aktuell geplanten Projekte bei dem Treffen in der Saudi Electricity Company (SEC). Khalid Al-Rashed, Senior Vice President der SEC und CEO der Saudi Electricity Company for Projects Development, sowie Sulaiman Al-Hubaishi, Senior Vice President für Supply Chain der SEC und Osama Khawandanah, CEO des SEC-Tochterunternehmens Saudi Company for Energy Procurement, erklärten die großen Pläne des Königreichs in dem Sektor.

Bereits seit vielen Jahrzehnten sind deutsche Unternehmen gern gesehene Partner in Saudi-Arabien. Gleichzeitig gibt es zahlreiche saudische Studenten, die in Deutschland ausgebildet wurden und nach wie vor werden. Mit der deutsch-saudischen Freundschaftsgruppe wird dieser Entwicklung auch im saudischen Parlament, dem Shoura-Rat Rechnung getragen. Dr. Ramsauer traf sich im Rahmen der Delegationsreise mit Vertretern der Gruppe.

Sowohl bei einem Empfang in der deutschen Botschaft am ersten Abend der Reise, als auch in der Riyadh Chamber of Commerce am zweiten Tag hatten die Teilnehmer zudem die Möglichkeit, mit zahlreichen saudischen Unternehmen Kontakte zu knüpfen.

Das Programm in Riad wurde schließlich mit einem Gespräch beim Vice Minister for Industrial Affairs, Abdulaziz Alabdulkarim, im Ministerium für Energie, Industrialisierung und Mineralien abgerundet. Auch hier hatten die Delegationsteilnehmer die Möglichkeit Informationen aus erste Hand zu bekommen und über Möglichkeiten zu diskutieren, wie deutsch-saudische Partnerschaften zum Erfolg der Saudi Vison 2030 beitragen können.

Dammam bildet das wirtschaftliche Zentrum der Ostprovinzen

Im gesamten Königreich werden derzeit Projekte vorangetrieben, um die Wirtschaft weiter zu diversifizieren. Nachdem sich in der Ostprovinz ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum – insbesondere für die Verarbeitung von Öl und Mineralien – entwickelt hat, führte der zweite Teil der Reise nach Dammam. Empfangen wurde die Delegation zunächst bei der Asharqia Chamber von Bader Al-Reziza, Vice Chairman der Asharqia Chamber, and Dhary Alothishan, Bord Member der Asharqia Chamber and Bord Member der Ghorfa. Etwa 100 saudische Unternehmer waren auch hier der Einladung gefolgt und hatten die Möglichkeit genutzt, Kontakte mit den deutschen Unternehmensvertretern zu knüpfen.

“Für eine Delegationsreise mit Wirtschaftsvertretern ist der Besuch der östlichen Provinz immer ein essenzieller Programmpunkt“, erklärte Dr. Peter Ramsauer. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund der Vision 2030. Denn mit dem Hauptsitz von Aramco ist ein wichtiger Pfeiler des Reformvorhabens in Dammam angesiedelt. Bei einem Treffen mit Abdallah Al Thaaly, Director Industrial Development & Strategic Supply, wurde deutliche, welche Rolle das Staatsunternehmen auch bei der Diversifizierung der Wirtschaft spielt. Insgesamt mehr als 400 Mrd. US-Dollar werde Aramco in den kommenden zehn Jahren investieren um den Energiesektor weiterzuentwickeln, wie es in dem Gespräch mit Abdallah Al Thaaly hieß.

Der größte Ölkonzern der Welt ist jedoch nicht der einzige Wirtschaftstreiber in der Region. Mit den Industriezonen Jubail und Ras Al Khair sind zwei weitere bedeutende Wirtschaftsstandorte nahe Dammam angesiedelt. Ein Besuch der Royal Commission of Jubail and Yanbu veranschaulichte das.

Mr. Bader Al-Shammari, General Manager of Strategic Planning and Investment Development Sector, Mr. Mohammed AlZahrani, Director of Industrial Investment Development Department, sowie Abdullah AlEid, Director of Industrial Cluster & Economic Planning Department empfingen die Delegationsteilnehmer und erklärten, dass es auch an dem Wirtschaftsstandort Jubail, 100 Kilometer nördlich von Dammam, große Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen gibt. Eindrucksvoll wurde das deutlich bei einer Führung bei der Royal Commission for Jubail & Yanbu.

Abgerundet wurde der zweite Teil der Reise von einem Dinner bei der Familie Alothaishan. Besonders herzlich wurden die Delegationsteilnehmer hierzu im Madschlis der Familie begrüßt, wo in offener Athmosphäre die Eindrücke über das Land sowie neue Ideen zu Kooperationen ausgetauscht wurden.

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