Emir von Katar besucht Berlin Deutschland und der Golfstaat wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen

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Emir von Katar besucht Berlin Deutschland und der Golfstaat wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen

Deutschland und Katar wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit intensivieren. Das kündigten hochrangige Vertreter beider Länder anlässlich eines Besuches von Emir Tamim bin Hamad Al Thani in Berlin an. Der Emir traf mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zusammen. Sie freue sich über „jedes katarische Investment“ in Deutschland, sagte die Kanzlerin im Anschluss. Insbesondere schätze sie Katar als strategischen Investor, der an einer langfristigen Ausrichtung seiner Investitionen interessiert sei.

Möglichkeiten für eine verstärkte deutsche-katarische Zusammenarbeit sieht die Bundeskanzlerin insbesondere bei Umwelttechnologien sowie bei den Themen erneuerbare Energien und energieeffiziente Bauweise. In diesen Bereichen könne Deutschland ein guter Partner für Katar sein. Doch hätten deutsche Unternehmen auch eine Vielzahl von Angeboten im Bereich Infrastruktur.

Vor dem Spitzentreffen hatte im Hotel Grand Hyatt das Qatari-German Economic Forum stattgefunden. An diesem Event nahmen etwa 200 deutsche und 100 katarische Persönlichkeiten teil. Es wurde von dem katarischen Ministerium für Wirtschaft und Handel in Zusammenarbeit mit der Qatar Chamber, der Ghorfa, dem BDI, dem DIHK und der AHK veranstaltet.

Zum Auftakt des Economic Forums sprach der katarische Wirtschafts- und Handelsminister Ahmed bin Jassim bin Mohammed Al Thani von „starken und stabilen Wirtschaftsbeziehungen“ mit Deutschland. Er erwarte, dass die katarischen Investitionen in der deutschen Wirtschaft künftig weiter wachsen werden. Das Emirat sei an so prominenten Unternehmen wie Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens und Hochtief beteiligt. Nach katarischen Angaben beläuft sich das Investitionsvolumen des Emirats in Deutschland auf etwa 18 Mrd. US-Dollar.

Wie der Minister weiter betonte, strebt sein Land eine nachhaltige und langfristige Partnerschaft mit der deutschen Wirtschaft an. Für deutsche Unternehmen gebe es in Katar große Investitionschancen. So würden im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zahlreiche große Infrastrukturprojekte verwirklicht. Insbesondere wünsche er sich aber eine intensivere Kooperation in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Forschung, sagte der Minister.

Auch Khalifa bin Jassim bin Mohammed Al Thani, Präsident der Qatar Chamber, plädierte für eine Vertiefung der deutsch-katarischen Wirtschaftsbeziehungen. Daran hätten beide Seiten großes Interesse, wie die zahlreichen Teilnehmer an dem Qatari-German Economic Forum dokumentierten. Die katarische Volkswirtschaft sei offen für Investoren und wachse dynamisch. Die Regierung habe Gesetze verabschiedet, die Investitionen wesentlich erleichtern. Wichtig sei vor allem die weitere Entwicklung des Bildungs- und Forschungssektors in Katar.

Nach Einschätzung von Dieter Haller, Leiter der Wirtschaftsabteilung im Auswärtigen Amt, können die deutsch-katarischen Wirtschaftsbeziehungen wesentlich intensiviert werden: „Es gibt noch großen Spielraum für Verbesserungen. Wir können noch mehr erreichen“, sagte Haller. Dabei sei Katar nicht nur für große Konzerne interessant. Auch für kleine und mittlere Firmen böten sich Chancen. Deutsche Unternehmen sollten sich an dem katarischen Entwicklungsplan Vision 2030 orientieren.

Laut Ghorfa-Vizepräsident Olaf Hoffmann ist Katar einer der wichtigsten Handelspartner in der arabischen Welt. Das deutsch-katarische Handelsvolumen habe sich im Jahr 2013 auf mehr als zwei Mrd. Euro belaufen. Die Strategie der wirtschaftlichen Diversifizierung, die die katarische Regierung verfolge, eröffne vielfältige geschäftliche Chancen für deutsche Unternehmen. Diese sollten den Markt künftig noch aktiver erschließen – beispielsweise in den Sektoren Energie, Gesundheit, Tourismus und Chemie.

Im Rahmen des Qatari-German Economic Forum fanden drei Workshops zu folgenden Themen statt: Das 2022 Weltmeisterschaft Investitionsprogramm, Herausforderungen im katarischen Energiesektor und Chancen für gemeinsame Projekte und Investitionen, Sovereign Investment Fund & Investitionsmöglichkeiten. Mit Unterstützung der Ghorfa organisierte die Botschaft Katars ferner ein Treffen mit dem Emir und einer Auswahl von Vorstandsmitgliedern und ein Gala Dinner mit ca. 200 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Workshop 1 – Fußballweltmeisterschaft 2022

Den ersten Workshop zum Thema 2022 Weltmeisterschaft Investitionsprogramm moderierte Olaf Hoffmann, Vize-Präsident, Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry und CEO und Präsident, Dorsch Holding GmbH. Hassan Al Thawadi, Generalsekretär, Supreme Committee for Delivery & Legacy, Dipl. Ing. Nasser bin Ali Al Mawlawi, Präsident, Public Works Authority – Ashghal, Dipl. Ing. Saad bin Ahmed Al Muhannadi, CEO, Qatar Railways Company und Dieter Michell-Auli, Managing Director, International Markets, DB International GmbH, referierten. Für die 2022 in Katar stattfindende Fußballweltmeisterschaft sind Projekte im Wert von 200 Mrd. US-Dollar vorgesehen. Geplant sind unter anderem eine moderne Infrastruktur, ein neues Stadtzentrum, zahlreiche Sportstadien und neue Hotels.

Workshop 2 – Energie

Workshop 2 widmete sich Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten im Energiesektor. Moderiert wurde die Session von Dr. Florian Amereller, Founding Partner, Amereller Legal Consultants. Scheich Meshal bin Jabr Al-Thani, Director of Energy Policies and International Cooperation of Qatar Petroleum, eröffnete den Workshop mit einer Präsentation über den katarischen Energiesektor. Katar plane große Energieprojekte für Gasenergie und erneuerbare Energien, die für deutsche Kooperationspartner von großem Interesse seien. Dr. Hans Peter Böhm, Vice President Government Affairs, Siemens AG, gab anschließend einen Überblick über die Tätigkeiten von Siemens in Katar. Sie seien einer der internationalen Hauptversoger für Energie und Industrie und arbeiteten eng mit Qatar General Electricity & Water Corporation (KAHRAMAA) für neue Netzplanungen und Entsalzungsprojekte zusammen. Dr. Ahmed Elmagarmid, Executive Director of Qatar Computing Research Institute, legte den Schwerpunkt seiner Präsentation auf Forschung und Entwicklung im Bereich Wasser-, Solar- und Informationstechnik-Sicherheit. Die abschließende Präsentation des Workshops hielt Herr Jürgen Möpert, Head of Representative Office Wintershall Holding GmbH. Das Unternehmen habe dazu beigetragen, dass Katars erstes großes Erdgasfeld „North Field“ 1970 entdeckt wurde und unterstütze seitdem bei der Suche und Produktion von weiteren Erdgasvorkommen.

Workshop 3 – Investitionsmöglichkeiten

Dr. Peter Göpfrich, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft (AHK) für die Unteren Golfstaaten, moderierte den dritten Workshop zum Sovereign Investment Fund und Investitionsmöglichkeiten. Ahmed Al-Sayed, Chief Executive Officer, Qatar Investment Authority, sprach über die Investitionsstrategie Katars, Investitionen möglichst zu diversifizieren, das heißt sich sowohl bei den Ländern als auch den Branchen möglichst breit aufzustellen. Dr. Jürgen Friedrich, Geschäftsführer, Germany Trade and Invest, hob positiv hervor, Deutschland biete exzellente Fachkräfte und Innovation. Yousef Al-Jaida, Deputy Chief Executive Officer, Qatar Financial Center Authority, gab einen umfassenden Überblick über Investitionsmöglichkeiten in Katar und referierte über volkswirtschaftliche Indikatoren. Bei internationalen Rankings schneide Katar sehr gut ab, beim Global Competitiveness 2014/15 Report nehme Katar etwa den 16. Platz ein. Dr. Stephan Leithner, Vorstandsmitglied,  Deutsche Bank AG, wies darauf hin, dass Katar mit seinen Investitionen in Deutschland ein langfristiges Interesse zeige.

Generell sind die deutsch-katarischen Wirtschaftsbeziehungen sehr gut. So erreichten die katarischen Ausfuhren 678 Mio. Euro im Jahr 2014, während die deutschen Ausfuhren 2097 Mio. Euro betrugen.

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2016-10-25T16:05:32+00:00