7th Arab-German Education and Vocational Training Forum
Mit Bildung Zukunft gestalten

Startseite/7th Arab-German Education and Vocational Training Forum
Mit Bildung Zukunft gestalten

7th Arab-German Education and Vocational Training Forum
Mit Bildung Zukunft gestalten

Unter großer Aufmerksamkeit startete gestern das 7th Arab-German Education and Vocational Training Forum. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung begrüßte mehr als 250 deutsche und arabische Entscheidungsträger aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und ermutigte sie, nutzen aus dem Forum zu ziehen. “Investitionen in Bildung haben direkte Auswirkungen nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf den Zusammenhalt der Gesellschaft. Gute Bildung beschleunigt das Wachstum eines ganzen Landes”, erklärte die Ministerin, die die Schirmherrschaft über das Forum übernommen hatte. Gerade bei Transformationsprozessen sei Bildung besonders wichtig, wie die Wiedervereinigung von Ost und West-Deutschland gezeigt habe. Die arabischen Länder stünden hier momentan an einem ähnlichen Punkt wie Deutschland vor 27 Jahren. Dass die Wiedervereinigung nach der friedlichen Revolution so gut funktioniert habe, sei vor allem der guten Bildung zu verdanken, betonte die Ministerin in ihrer Rede.

In Zusammenarbeit mit iMove, der Initiative für Bildungsexport des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), hatte die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry das Forum organisiert. Der Präsident der Ghorfa, Dr. Peter Ramsauer, sowie Abdulaziz Al-Mikhlafi, Generalsekretär der Ghorfa, hatten das Forum eröffnet und in ihren Ansprachen gelobt, dass die Anwesenheit so vieler Gäste den Erfolg der deutsch-arabischen Zusammenarbeit im Bildungsbereich zeige. Auch in Zukunft gebe es großes Potential auf dem Gebiet, wie Dr. Peter Ramsauer erklärte. Immerhin sei etwa die Hälfte der mehr als 380 Mio. Einwohner unter 25 Jahre alt. “All diese jungen Leute in Arbeit zu bringen ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine große Chance.”

Abulrahman Al-Khulaifi, Botschafter von Katar und Doyen des arabischen diplomatischen Corps bestätigte, dass eine wissensbasierte Gesellschaft der Grundstein für eine prosperierende Zukunft sei und erklärte: Die arabischen Staaten seien sich darüber bewusst, dass Bildung das wichtigste Mittel gegen sozialen Unfrieden sei. “Die Ressourcen werden enden. Deshalb müssen wir attraktive Arbeitsplätze schaffen indem wir Wissen, sowie Forschung voranbringen”, sagte Al-Khulaifi.

Als exemplarisch für diese Entwicklung ist auch die Saudi Vision 2030 anzusehen. Dr. Ahmed Alfahaid, Governor der Technical and Vocational Training Corporation (TVTC) Saudi-Arabien, betonte in seiner Ansprache, dass Bildung die grundlegende Ressource dieses neuen Reformplanes ist. Immerhin 250 Einrichtungen mit 14.000 Ausbildern und 170.000 Auszubildende unterhält seine Organisation in allen Provinzen des Königreichs. Im Rahmen der Vision solle dies aber weiter ausgebaut werden. Das Ziel sei es, die Zahlen um jährlich 10 Prozent zu steigern.

Saudi-Arabien unternimmt – wie auch viele andere arabische Staaten – große Anstrengungen um eine bestmögliche Bildung zu garantieren. Etwa 23 Prozent des Staatshaushaltes gibt allein Saudi-Arabien nur für Bildung aus. Dabei seien die geplanten Initiativen nicht nur mit nationalen, sondern auch mit internationalen Partnern geplant, betonte Alfahaid. Eine wichtige Rolle sollen insbesondere private Unternehmen spielen. “Wir möchten uns mit verschiedenen Institutionen zusammenschließen um ein gutes Ausbildungskonzept zu schaffen. Wir organisieren das, aber die inhaltliche Leitung soll von den Unternehmen kommen”, erklärte Alfahaid. So könne sichergestellt werden, dass die ausgebildeten jungen Menschen optimal für die Privatwirtschaft vorbereitet werden. Das sei besonders wichtig, da Arbeitsplätze nicht mehr nur im öffentlichen, sondern vor allem im privaten Sektor geschaffen werden sollen.

Wie wichtig Bildung für wirtschaftliche Prosperität sei, habe man nach der Wirtschaftskrise gesehen. Deutschland habe diese besonders schnell überstanden, lobte Nael Al-Kabariti, Präsident der Generalunion der arabischen Handelskammern. Allerdings habe Deutschland ein demografisches Problem. So gebe es zu wenig junge Menschen, die als Fachkräfte auch in Zukunft die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben. Deutschland könne hier die vielen Flüchtlinge als Chance sehen. “Wir begrüßen deshalb die Sichtweise der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von einer tiefgreifenden Kooperation mit den Herkunftsländern würden alle profitieren und die negativen Folgen würden zu positiven werden”, erklärte Al-Kabariti und fügte hinzu: Um junge Menschen optimal für die Arbeit vorzubereiten, gelte Deutschland als vorbildlich. “Deutschland hat die berühmtesten Ausbildungsstätten und vor allem das duale Ausbildungssystem ist hoch geschätzt”, lobte Al-Kabariti. Leider seien nach wie vor sehr wenige deutsche Universitäten in der arabischen Welt vertreten im Gegensatz zu englischen oder amerikanischen, so Al-Kabariti.

Was das duale Ausbildungssystem betrifft, müsse aber auch in Deutschland immer wieder nachgebessert werden, betonte Prof. Dr. Reinhold Weiß: “Marktgerechte Bildungssysteme sind nötig, da müssen auch wir in Deutschland viel tun.” So seien die technologischen Fortschritte, wie zum Beispiel bei den erneuerbaren Energien zu berücksichtigen. Hier haben insbesondere die arabischen Staaten einen enormen Vorteil. Technologie in allen Sektoren werden mit Nachdruck ausgebaut, auch mit Hilfe deutscher Unternehmen. “Um diese Technologien auch in Zukunft effektiv zu nutzen ist es wichtig, dass vor Ort Fachkräfte zur Wartung und Instandhaltung ausgebildet werden”, sagte Reinhold Weiß.

Schon vor 15 Jahren hatte die Bundesregierung dieses Potenzial erkannt und iMove gegründet. Die Initiative des Bundesbildungsministeriums für Bildung und Forschung setzt sich seither aktiv für den Bildungsexport ein. “Die arabischen Länder waren von Anfang an eine Priorität unserer Arbeit”, erklärte Weiß in seiner Rede.

Auch in Zukunft soll die bisher gute Partnerschaft weiter ausgebaut werden. „Bildung ist der Schlüssel sowohl für prosperierende Wirtschaft, als auch für die berufliche und persönliche Entfaltung eines jeden Einzelnen. Deshalb gibt es in diesem Sektor nur Gewinner“, erklärte Ulrich Meinecke, Leiter von iMove, bei seiner Begrüßung und verwies auf die hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen zu den Themen “Spurring Innovation in a Sunrise Industry – VET Projects of the Energy Sector”; “Perfecting Hospitality – VET Projects of the Tourism Sector”; “Focus on North Africa – Cooperation Activities and Opportunities”; “Higher Education in Cooperation with Vocational Education”. Zwei Tage lang tauschen sich die Experten zu diesen Themen aus, knüpfen neue Kontakte und entwickeln neue Ideen.

 Weitere Informationen zur Konferenz erhalten Sie unter www.education.ghorfa.de und www.imove-germany.de.

(Foto: Peter Himsel)
Print Friendly
2016-10-18T15:39:15+00:00