19th Arab-German Business Forum

2016 2017-01-13T11:59:56+00:00

19th Arab-German Business Forum vom 25. bis 27. Mai 2016 im The Ritz-Carlton Hotel in Berlin

Reformen in den arabischen Ländern erleichtern Investitionen

52 Mrd. Euro betrug das Handelsvolumen zwischen den arabischen Ländern und Deutschland 2015. Und der Warenaustausch wächst weiter. So erreichten die deutschen Exporte 2015 einen Wert von 42 Mrd. Euro – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 14 %. Diese Zahlen verdeutlichen, welche Chancen die deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen nach wie vor beinhalten. Zahlreiche hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren deshalb zum 19th Arab-German Business Forum nach Berlin gekommen. Abdulaziz Al-Mikhlafi, Generalsekretär der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry, begrüßte die 600 Teilnehmer aus den arabischen Ländern und Deutschland: „Das große Interesse zeigt klar die wachsende Bedeutung der deutsch-arabischen Handelsbeziehungen“, erklärte er in seiner Begrüßungsrede. Auch das Interesse an deutschen Unternehmen sei groß. Schätzungsweise 100 Mrd. Euro betragen die arabischen Investitionen in Deutschland.

Auch dieses Jahr bot die branchenübergreifende Diskussions- und Kontaktplattform einen hervorragenden Rahmen, um über wirtschaftliche Kooperationen zu sprechen, Handelspartner zu finden und Geschäftsanbahnungen in die Wege zu leiten. Vom 25. bis 27. Mai fand das Arab-German Business Forum im The Ritz-Carlton in Berlin statt. Veranstalter war die Ghorfa in Zusammenarbeit mit der Generalunion der arabischen Handelskammern, der Arabischen Liga, sowie dem deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Partnerland des Forums waren die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Den Höhepunkt der Veranstaltung stellte die Rede des emiratischen Wirtschaftsminister Sultan bin Saeed Al Mansouri dar. In seiner Keynote verdeutlichte er, dass die Emirate auch abseits des Ölgeschäfts schon sehr erfolgreich seien. So sei der Wert der Exporte im Nicht-Öl-Sektor zwischen 2014 und 2015 um 7,6% gestiegen. Der Wirtschaftsminister betonte, dass Deutschland als viertwichtigster Handelspartner eine wichtige Rolle dabei spielt. 15,5 Mrd. Euro betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und den Emiraten 2015. Das sind 28 % mehr als im Jahr zuvor. Wichtigste Importgüter in die VAE seien Flugzeuge und Automobile. In beiden Sektoren sei Deutschland führend, sodass auch weiterhin großes wirtschaftliches Potenzial in den bilateralen Beziehungen liege, so der Minister. Er lud deutsche Unternehmen ein, in die Emirate zu investieren. Das würde sich auszahlen, schließlich sei sein Land auf Rang 17 im Global Competitiveness Index, 31. im Weltbank-Index „Doing Business“ sowie 16. in dem Ranking über internationale Warenausfuhren der World Trade Organization (WTO).

Mit der Vision 2021 habe seine Regierung außerdem einen Reformplan auf den Weg gebracht, welcher noch mehr Chancen für Deutschland birgt. „Eines unserer Ziele ist es, unter die zehn besten Ländern der Welt zu kommen. Bei Bildung und Ausbildung, Gesundheit und Innovation, aber auch beim Streben nach Glück.“, erklärte der Minister. Große Investitionen seien dafür geplant. Insbesondere bei den erneuerbaren Energien, bei Transport, Infrastruktur, Luftfahrt, Tourismus sowie in der Agrar- und Wasserwirtschaft sieht er die wichtigsten Schlüssel-Sektoren für die Entwicklung seines Landes. Um all das zu fördern sei deutsches Know-how essentiell, sagte er.

Dass der enge und regelmäßige Austausch auch für Deutschland wichtig sei, betonte Dr. Peter Ramsauer, Präsident der Ghorfa, in seiner Begrüßungsrede. „Die arabischen Länder stellen mit mehr als 380 Mio. Einwohnern den vielversprechendsten Markt für deutsche Unternehmen dar“, betonte er und hob weiter hervor: „Die zahlreichen ambitionierten Reformen zeigen, dass nach wie vor großes Potential in den Wirtschaftsbeziehungen steckt.“ Er verwies dabei auf die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese sagen auch weiterhin ein Wirtschaftswachstum von mehr als 3 % für die Region voraus.

Dass auch die Bundesregierung weiter großes Potential in der Region sieht, bestätigte Rainer Baake, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie. Vor allem im Energiesektor seien die Beziehungen zwischen Deutschland und der arabischen Welt hervorragend. Er lobte das diesjährige Partnerland VAE exemplarisch für die Golfstaaten: „Die Emirate können als Vorreiter bei den Reformen angesehen werden. Das Land erleichtert Investitionen auf verschiedenen Ebenen.“ Julia Arnold von der DIHK stimmte ihm zu. Durch die wachsenden Wirtschaftsbeziehungen sieht sie die Nachbarschaftsverhältnisse zwischen Europa und den arabischen Ländern gestärkt: „Das ist wichtig für die Zukunft beider Regionen.“

Abdulrahman Al Khulaifi, Botschafter von Katar und Doyen des arabischen diplomatischen Korps unterstrich, dass deutsche Unternehmen sehr willkommen seien und wies darauf hin, dass der bilaterale Handel noch viel Potential habe. Jedoch seien Flexibilität, Arbeits- und Innovationswille nötig. Ansatzpunkte zur Intensivierung der deutsch-arabischen Beziehungen sieht er vor allem in den Bereichen Bildung, Umwelt, Gesundheit, Logistik und Industrie.

Die unterschiedlichen Investitionsmöglichkeiten in der arabischen Welt sprach auch Nael Al-Kabariti, Präsident der Generalunion der arabischen Handelskammern, an: Er rief dazu auf, deutsche Technologie und Know-how in gemeinsame Projekte einzubringen und appellierte gleichzeitig an die arabischen Staaten, die Schritte zur wirtschaftlichen Diversifizierung schneller voranzutreiben, angesichts des fallenden Ölpreises.

80 Experten diskutierten in 10 Podiumsdiskussionen

Während bei zahlreiche B2B-Meetings neue Wirtschaftskontakte gepflegt und geknüpft wurden, kamen in insgesamt zehn Podiumsdiskussionen immer wieder wichtige Sachverhalte zur Sprache. Mehr als 80 Experten sprachen über die bedeutendsten Themen in der Region.

In Session 1 ging es um Logisitk und Mobilität. Dietmar Siersdorfer (CEO, Siemens Middle East Limited/ LLC) moderierte die Diskussion und betonte zunächst die Wichtigkeit der Logistikbranche in der Region. Jedes 5. Barrel Öl würde demnach durch den Suezkanal verschifft. Uwe Stupperich (Director, M.G. International Transports GmbH) bestätigte, dass die Emirate längst zu einem wichtigen internationalen Warendrehkreuz geworden seien. So würden allein im Dubaier Hafen Jebel Ali jährlich 15 Mio. Container umgeschlagen. „Die Zahl der Firmen ist hier in den vergangenen Jahren von 2000 auf 7100 angestiegen.“ Oliver Oehms (Delegate of German Industry and Commerce, Arabian Liason Office for Economic Affairs in Saudi Arabia) erklärte, dass auch Bahrain ein nicht zu vernachlässigender Logistikhub sei. Genauso verdeutlichte Ghassan Kherfan (First Vice Chairman, Amman Chamber of Commerce), dass Jordanien eine wichtige Rolle für den Handel im Nahen Osten spiele. 2015 hätten die Exporte seines Landes 7,5 Mrd. Dollar erreicht.

Immer mehr Möglichkeiten bieten sich auch im Sektor der Finanzdienstleistungen, wie sich in Session 2 (Financial Services: New Opportunities in Changing Markets) zeigte. Ralf Nitzgen (Coordinator Developing Markets, Commerzbank AG) moderierte die Diskussion, in welcher auch Souad Benkredda (Managing Director, Deutsche Bank AG) und Jan von Allwörden (Head of Department Underwriting, Euler Hermes) die positiven Entwicklungen am arabischen Finanzmarkt beschrieben. Alle waren sich einig: Investitionen in der arabischen Welt sind lohnender denn je. Vor allem Saudi-Arabien habe mit der Vision 2030 Investitionen erleichtert, versicherte Reem Mohammad Asaad (Investment Advisor, Saudi Fransi Capital). Aber auch in Nordafrika gebe es Potential. So erklärte Reda El Merini (Director of Economic Affairs, General Secretariat of the Arab Maghreb Union), dass das Finanzsysteme in den Maghreb-Staaten führend in Afrika sei. So würde man sich in Casablanca, der ersten afrikanischen „Financial City“, an europäischen Standards orientieren.

Dass sich die arabischen Länder nicht nur im Rahmen der Saudi Vision 2030 öffnen, verdeutlichte Session 3 („Industrialization: Regional Strategies Cross-Examined – and what Germany has to add“). In allen Ländern schreite die Industrialisierung voran. Auf deutsches Know-how würde dabei viel wert gelegt, erklärte Hussain Al Mahmoudi (CEO, American University of Sharjah Enterprise). Der Fokus in den Ländern sei aber unterschiedlich, fügte Dr. Jürgen Friedrich (CEO, Germany Trade and Invest) hinzu. Das kann man am Engagement deutscher Firmen in der Region sehen. So präsentierte Boris von Thiel (CEO, Thyssenkrupp Industrial Solution MENA) das Engagement seiner Firma. In Saudi-Arabien beispielsweise entwickelt Thyssenkrupp schon seit 50 Jahren die Zement-Industrie. 80 km außerhalb von Riad entsteht derzeit eine neue Mine mit Industriezone, welche Zentrum einer neuen Stadt werde. Auch die Linde Group hat Visionen, wie die Industrialisierung vorangetrieben werden kann. Laut Ali Vazvaei (President, Linde AG Engineering) soll CO2 nutzbar gemacht werden. Deutsche und saudische Ingenieure hätten dafür schon Lösungen entwickelt, welche nun implementiert werden sollen. Dr. Abdulaziz Istaiteh (Economic Advisor TEC, Dubai Government) begrüßte diese Initiative und rief die Firmen dazu auf, auch weiterhin die Industrialisierung voranzutreiben. Davon würden alle profitieren.

Neben der Industrialisierung sei aber auch die Manufaktur in manchen Ländern wieder sehr gefragt, betonte der Moderator Dr. Houssem Jemili (Partner, Roland Berger Middle East). Dies bestätigte Abdo Dawood, Staatsminister für Industrie im Sudan. Sein Land habe in einem Fünfjahres-Plan neben dem Ausbau des Technologie-Sektors auch die Entwicklung der Manufaktur-Branche vorgesehen.

Neben den wirtschaftlichen Entwicklungen wurde auch der Einfluss gesellschaftlicher Faktoren auf die Wirtschaft diskutiert. So ging es in Session 4 um die Sportindustrie: Moderator Joachim Schares (Member of Management, Albert Speer & Partner) verwies auf verschiedene Großereignissen, wie die Formel1 in Bahrain oder die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Mit ihnen würden nicht nur wichtige Infrastruktur-Projekte angestoßen. Auch komme den Sportartikelherstellern ein immer größerer Stellenwert zu, erklärte er.

Einen wichtigen Beitrag für den Sport leistet das Camp Beckenbauer, wie in der Präsentation von Marcus Höfl deutlich wurde. Das Camp unterstütz lokale Vereine dabei, Jugendliche zu fördern und Sport-Talente zu entdecken. Das sei auch ein wirtschaftlicher Faktor in den Ländern.

Welchen Einfluss Freihandelszonen in der Region haben, wurde in Session 5 (Free Zones: Gateways for Business and Investment) diskutiert, Diese seien einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in der Region, erklärte Eugenio Bettella (Partner, Rödel & Partner). Elf der weltweit bedeutendsten 20 Freihandelszonen befinden sich in den arabischen Ländern, davon sechs in den Emiraten. Strategisch seien diese Zonen der ideale Zugang zu den Märkten von Afrika und Asien und damit zu 48 Großstädten mit Wachstumsraten von mehr als 40% bis 2025, so Bettella.

Um die geografisch günstige Lage auszunutzen wird derzeit enorm in große Häfen investiert. Zu einem neuen globalen Logistik-Zentrum soll beispielsweise der saudische King Abdullah Port am roten Meer werden. Von aktuell 3 Mio. Containern pro Jahr soll die Kapazität des Hafens auf 20 Mio. ansteigen und damit einer der 10 wichtigsten Häfen weltweit werden, erklärte Maria Al Zahrani, (Head of Investor Relations, Emaar The Economic City).

Um Megaprojekte ging es auch in Session 6 (Infrastructure Megaprojects: Rails and Ports). Dr. Jose Campos Nave (Managing Partner, Rödel & Partner) moderierte die Diskussion. Dabei verdeutlichte Uwe Hörmann (Partner, Roland Berger GmbH), dass trotz Budge-Kürzungen nach wie vor an den meisten Projekten festgehalten werde. Alternative Finanzierungsmethoden, wie Public-Private Partnership (PPP), würden dabei angesichts der schwindenden öffentlichen Budgets jedoch immer wichtiger. Helmut Scholze (Partner bei Roland Berger Middle East) verwies auf zwei große Infrastruktur-Projekte, die bereits auf Basis von PPP verwirklicht wurden: Das Haramain High-Speed Railway Project mit einem geschätzten Gesamtvolumen von zwölf Mrd. Dollar wird ab 2018 die Städte Mekka und Medina verbinden. Die Metro in Riad soll bis 2020 fertig gestellt werden und voraussichtlich 23,1 Mrd. Dollar kosten. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sei angesichts der wachsenden Bevölkerung besonders wichtig für die arabische Wirtschaft, betonte Dieter Michell-Auli (Member of the Board International Markets, DB Engineering and Consulting). Fünf Büros unterhält die Deutsche Bahn derzeit in den arabischen Ländern und betreut mehr als 17 Projekte. Darunter die 84km lange Metro in Doha, oder das rund 1200km lange Streckennetz, das Etihad Rail für die VAE plant. Elsadiq Alfatih Hamour (Director of Business Development, Qatar) und Imad Al Abdulqader (General Manager, Saudi Arabian General Investment Authority) bestätigten die Wichtigkeit einer wachsenden Infrastruktur und versicherten, dass auch in Zukunft hier viel investiert wird.

Ein besonderes Highlight war auch in diesem Jahr wieder die Session über Chancen und Möglichkeiten von Geschäftsfrauen in den arabischen Ländern – ein Thema, das sich auf dem Business Forum bereits etabliert hat. Dr. Gabi Kratochwil (Managing Director, CrossCultures) führte gewohnt routiniert durch die Diskussion mit Maximiliana Pangerl (CEO, Muehldorfer GmbH), Sara Al Madani (Board Member, Sharjah Chamber of Commerce & Industry), Lina Almaeena (CEO, Jeddah United Sports Company), Daniah Aloufi (HR Supervisor, DB International), Miriam Lakebrink (CEO, German Arabian Business Center) und Reem Badran (Vice President, Amman Chamber of Commerce and Industry). Dabei wurde deutlich, dass es ein enormes wirtschaftliches Potential bietet, wenn auch Frauen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. (Einen ausführlichen Bericht über die Diskussion folgt in SOUQ 3/2016)

Die Investitionsmöglichkeiten in den VAE wurden in Session 8 (Invest in the UAE: Catalyst for Sustainable Development) gesondert thematisiert. Felix Neugart (CEO, German Emirati Joint Council for Industry and Commerce) moderierte die Diskussion. Dabei verdeutlichte Hans Henrik Christensen (Director, Dubai Technology Entrepreneurship Center), dass Dubai mit inzwischen mehr als 670 Start-ups zum wichtigsten Hub für Investitionen geworden sei. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung haben Freihandelszonen mit angeschlossenen Industrie-Parks, wie dem Dubai Multi Commodities Center (DMCC) oder der Dubai Silicon Oasis Authority. Allein in der DMCC haben sich inzwischen schon 12.000 Firmen niedergelassen, erklärte Krysta Fox (Executive Director, DMCC). Auch die Industriezone Dubai Silicon Oasis Authority ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und habe sich vor allem auf die Technologie-Branche spezialisiert. 71 % der inzwischen 2.060 Firmen seien in diesem Sektor tätig, erklärte Mohammed Ahmed Al Hamri (Vice President Corporate Sales, Dubai Silicon Oasis Authority). Auf erneuerbare Energien habe sich die Free Zone Masdar City spezialisiert, erklärte Ahmed Baghoum (Director, Free Zone at Masdar City). Besonders lohnend seien auch Investitionen in dem Emirat Sharjah, fügte Mohamed Al Musharrakh (Deputy Director, Sharjah Investment and Development Authority) hinzu. 21 Industriezonen mit mehr als 55.000 kleinen und mittleren Unternehmen könne das Emirat bieten.

Dass Start-ups in der Region erfolgreich sind, verdeutlichte Session 10 (Start-ups & SMEs: Case Studies of Success Stories in the Euro-Arab Context). Selim Edde (Global Lead Labor Market Digitization, SAP) sagte, dass die Golfstaaten wegen ihrer jungen Bevölkerung besonders attraktiv für neue Unternehmen sei. Hinzu komme eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Start-ups seien ideal, um attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Das hätten auch die Regierungen erkannt und investieren deshalb verstärkt in kleine Unternehmen, erklärte Edde. Ein Beispiel für diese Initiative gab Dr. Abdelgadir Warsama Ghalib (Senior Legal Advisor/ Professor of Law, BBK). Mit dem Arab International Centre for Entrepreneurship & Investment (ARCEIT) in Bahrain sollen Kleinunternehmen attraktiver gemacht werden, damit diese eine aktivere Rolle in der Wirtschaft spielen. Auch deutsche Unternehmen, wie der Berliner Mediendienstleister „morean“ von Philipp Eckhoff (Managing Partner, morean) könnten von diesem Mentalitätswandel profitieren, so Christian Wiesenhütter (Deputy CEO, Chamber of Commerce and Industry Berlin), der die Diskussion moderierte.

In Session 9 (Construction and Housing: Overview of Challenges and Opportunities in the current Context) ging es vor allem um den Bau von Wohnungen für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen. Olaf Hoffmann, Vize-Präsident der Ghorfa und Präsident der Dorsch Holding GmbH, moderierte die Diskussion und verdeutlichte: „Um den Menschen eine Perspektive zu geben, müssen sie die Möglichkeit haben, ein Haus oder eine Wohnung zu besitzen.“ Allein im Irak würden etwa 3 Mio. Wohneinheiten benötigt, 500.000 in Ägypten und 600.000 in Syrien, so Hoffmann. Die ägyptische Regierung beispielsweise investiere deshalb in den Bau neuer Städte, erklärte Said Hanafi (Vice Chairman, Orascom Housing Communities). In ganz Ägypten seien derzeit 23 solcher Projekte geplant, die Umsetzung sei jedoch schwierig, da gleichzeitig mehr in die Infrastruktur investiert werden müsse, so Hanafi.

Aber auch in den Emiraten sind zusätzliche Wohneinheiten nötig. So wies Hayssam El Masri (President, Sharjah Oasis Real Estate) darauf hin, dass die Wachstumsrate der Bevölkerung im Emirat Sharjah bei fast 10 % liege. Außerdem sei 90 % der Bevölkerung des Emirats unter 50 Jahre alt. Aufgrund der jungen und wachsenden Gesellschaft seien also auch in Sharjah mehr als 300.000 zusätzliche Wohneinheiten nötig. Zudem würde dank der wachsenden Tourismuszahlen auch zusätzliche Hotelzimmer benötigt. Große Bauprojekte, wie die Sharjah Waterfront City oder das von Shurooq – Sharjah Invest and Development Authority geplante Hotel El Bait, sollen den Bedarf in beiden Bereichen decken.

Positive Aussichten in der Abschluss-Diskussion

Zwar ging es bei dem Forum in erster Linie um die wirtschaftlichen Beziehungen, in der Abschluss-Diskussion kam aber auch die politische Dimension zur Sprache. Moderiert von Dr. Florian Amereller (Partner, Amereller Legal Consultants FZE) thematisierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Medien die aktuellen Entwicklungen und gaben einen Eindruck zu den Erwartungen. Diese seien sowohl auf deutscher, wie auch auf arabischer Seite hoch. „Seit Beginn der Flüchtlingskrise letzten Sommer hat man erkannt, dass Deutschland und die arabischen Ländern Nachbarn sind“, erklärte Dr. Joachim Pfeiffer, Bundestagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. „Wir sehen jetzt, dass wir strategische Partner in der Region brauchen. Ägypten und Saudi-Arabien sind solche Partner.“

Auf die Frage, warum gerade die Saudi Vision 2030 – anders als ihre vielen Vorgänger – erfolgreich sein werde, antwortete der saudische Botschafter in Deutschland, Dr. Awwad Al Awwad: „Die Saudi Vision 2030 spricht eine neue Sprache und durch den niedrigen Ölpreis ist es einfacher, entscheidende Reformen zu machen“, so Al Awwad. „Wir stehen vor Herausforderungen und darauf reagieren wir. Schwierigkeiten sind die Treppe, die nach oben führt“, zitierte der Botschafter den Philosophen Nitsche.

Peter Fischer, Beauftragter für Globalisierung, Energie- und Klimapolitik im Auswärtigen Amt, fügte hinzu, dass die Vision 2030 gerade Deutschland entgegenkommt, da sie auch kleinen Unternehmen Chancen biete. „Wir sollten nicht immer nur an Mega-Projekte denken, sondern auch an unsere KMUs in den Bereichen Gesundheit, Smart Production und Umwelt.“ Mit der Vision 2030 würden genau diese Bereiche gefördert und genau hier seien auch deutsche KMUs führend, so Fischer.

Um die deutsch-arabischen Beziehungen in Zukunft weiter zu stärken sollten auch die Medien nicht vergessen werden, fügte Dr. Michael Inacker, CEO der Agentur WMP EuroCom AG, in der Diskussion hinzu. Da die meisten Medienhäuser sparen müssen, seien immer weniger Korrespondenten vor Ort. Das führe dazu, dass die Nachrichten aus der Region begrenzt sind. „Um in Deutschland zu erklären, warum die wirtschaftliche Zusammenarbeit wichtig ist, sollten auch die Firmen selbst mehr auf die Journalisten zugehen“, so Inacker. Paul-Anton Krüger, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Kairo bestätigte: „Es gibt Orte, zu denen ich als Journalist keinen Zugang habe.“ Er betonte aber: „Überall, wo ich eingeladen werde, gehe ich auch hin und werde fair und bilanziert berichten“, so der Journalist. Zuletzt habe es einen Wandel gegeben. Viele Königshäuser öffnen sich. Das sehe man zum Beispiel an dem saudischen Vize-Kronprinz.

Auch wenn die Herausforderungen angesichts fallender Ölpreise groß sind: Olaf Hoffmann, sieht die Lage positiv: „Zuletzt gab es viele und riesige Projekte, die wir realisiert haben. Jetzt geht es darum, dass das, was gebaut wurde, gepflegt wird. Und dazu kann die deutsche Wirtschaft als zuverlässiger Partner viel beitragen.“

Zum 19. Mal fand das Forum in Berlin statt. „Wir freuen uns darüber, dass die 20. Ausgabe des Arab-German Business Forum im kommenden Jahr vom 15. Bis 17. Mai stattfinden wird“, erklärten der Präsident Dr. Peter Ramsauer und der Generalsekretär Abdulaziz Al Mikhlafi.

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